Erkrankungen der Schilddrüse. Ein Überblick

Die Schilddrüse kann auf unterschiedliche Weise erkranken: durch Autoimmunprozesse (Hashimoto, Basedow), durch Funktionsstörungen (Unter- oder Überfunktion), durch strukturelle Veränderungen (Knoten, Struma) oder durch Kombinationen davon. Welche Erkrankung vorliegt, klären Laborwerte, Ultraschall und gegebenenfalls eine Szintigraphie. Diese Seite gibt einen Überblick über die häufigsten Krankheitsbilder und ihre diagnostischen Merkmale.

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse

Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe. An der Schilddrüse äußert sich das in zwei gegensätzlichen Formen: Hashimoto führt langfristig häufig zu einer Unterfunktion, Basedow typischerweise zu einer Überfunktion. Beide Erkrankungen lassen sich über spezifische Antikörper im Blut nachweisen.

Hashimoto-Thyreoiditis

Das ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Das Immunsystem greift die Schilddrüse an und zerstört über Monate bis Jahre funktionsfähiges, gesundes Gewebe. Der Prozess verläuft oft schleichend. Anfangs kann die Schilddrüse die Zerstörung kompensieren, später sinkt die Hormonproduktion. Häufig berichtete Beschwerden sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und Stimmungsveränderungen.

Diagnostisch relevant: Erhöhte TPO-Antikörper (TPO-AK), oft auch Tg-Antikörper (Tg-AK). Im Ultraschall zeigt sich häufig ein verändertes Echomuster der Schilddrüse. Der TSH-Wert kann zu Beginn noch unauffällig sein und steigt erst im weiteren Verlauf an.

ICD-10: E06.3

Hashimoto-Thyreoiditis – Symptome, Laborwerte und Einordnung

Verwandte Themen: Müdigkeit und Schilddrüse | TPO-Antikörper verstehen

Morbus Basedow

Bei Morbus Basedow bildet das Immunsystem Antikörper (TRAK), die den TSH-Rezeptor stimulieren. Die Schilddrüse produziert daraufhin unkontrolliert Hormone. Dadurch entsteht eine Überfunktion. Typische Beschwerden: Herzrasen, innere Unruhe, Gewichtsverlust, Schwitzen, Schlafstörungen. Bei einem Teil der Betroffenen tritt zusätzlich eine sichtbare Veränderung der Augen auf (endokrine Orbitopathie).

Diagnostisch relevant: Erhöhte TRAK-Werte, niedriger TSH, erhöhte fT3/fT4. Die Szintigraphie zeigt typischerweise eine diffus gesteigerte Aufnahme.

ICD-10: E05.0

Morbus Basedow – Ursachen, Diagnostik und Verlauf

Funktionsstörungen: Unter- und Überfunktion

Unabhängig von der Ursache lassen sich Schilddrüsenerkrankungen auch nach ihrer Auswirkung auf die Hormonproduktion einteilen: Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, spricht man von einer Unterfunktion. Produziert sie zu viel, liegt eine Überfunktion vor.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Bei einer Unterfunktion stellt die Schilddrüse nicht genügend Hormone bereit. Der Stoffwechsel verlangsamt sich. Häufig berichtete Beschwerden, die auftreten können: Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Gewichtszunahme, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmung.

Die häufigste Ursache in Deutschland ist Hashimoto-Thyreoiditis. Weitere mögliche Ursachen sind Jodmangel, Zustand nach Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie, sowie bestimmte Medikamente. Die medikamentöse Einstellung, in der Regel mit L-Thyroxin, erfolgt individuell durch den behandelnden Arzt.

Diagnostisch relevant: Erhöhter TSH, niedriger fT3/fT4. Bei Verdacht auf Hashimoto zusätzlich TPO-AK.

ICD-10: E03

Schilddrüsenunterfunktion – Ursachen, Symptome und Diagnostik

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Bei einer Überfunktion produziert die Schilddrüse zu viele Hormone. Der Stoffwechsel läuft beschleunigt. Häufig auftretende Beschwerden können sein: Herzrasen, Gewichtsverlust trotz normaler Ernährung, Unruhe, Schlafstörungen, vermehrtes Schwitzen.

Die häufigsten Ursachen sind Morbus Basedow und funktionelle Autonomie (autonom arbeitende Schilddrüsenbereiche). Die Behandlung, je nach Ursache und Schweregrad, medikamentös, per Radiojodtherapie oder operativ, wird vom behandelnden Arzt festgelegt.

Diagnostisch relevant: Niedriger TSH, erhöhte fT3/fT4. Szintigraphie zur Differenzierung Basedow vs. Autonomie.

ICD-10: E05

Schilddrüsenüberfunktion – Ursachen und Einordnung

Strukturelle Veränderungen: Knoten und Struma

Neben Funktionsstörungen und Autoimmunprozessen kann die Schilddrüse auch strukturelle Veränderungen aufweisen. Knoten und Vergrößerungen sind häufig und in den meisten Fällen gutartig, sie erfordern aber eine sorgfältige diagnostische Einordnung.

Schilddrüsenknoten

Knoten in der Schilddrüse sind weit verbreitet. In Deutschland weisen Ultraschalluntersuchungen bei etwa jedem dritten Erwachsenen einen oder mehrere Knoten nach. Die große Mehrheit ist gutartig. Entscheidend ist die diagnostische Einordnung: Ultraschall, Szintigraphie und, bei auffälligen Befunden, gegebenenfalls eine Feinnadelpunktion. Dies klärt, ob ein Knoten weiter beobachtet, kontrolliert oder behandelt werden sollte.

Diagnostisch relevant: Ultraschall (Größe, Echomuster, Durchblutung), Szintigraphie (kalt/warm/heiß), ggf. Calcitonin zum Ausschluss eines medullären Karzinoms.

Schilddrüsenknoten – Diagnostik und Einordnung

Struma (Schilddrüsenvergrößerung)

Eine vergrößerte Schilddrüse wird als Struma bezeichnet. Die häufigste Ursache weltweit ist Jodmangel, der in Deutschland durch Jodsalz zwar seltener geworden ist, aber weiterhin vorkommen kann. Ein Struma kann mit oder ohne Knoten auftreten und mit normaler, erhöhter oder niedriger Funktion einhergehen.

Diagnostisch relevant: Ultraschall zur Größenbestimmung, Laborwerte (TSH, fT3, fT4), bei Knoten ggf. Szintigraphie.

Struma – Ursachen und Abklärung

Wie lässt sich eine Schilddrüsenerkrankung feststellen?

Die Zuordnung einer Schilddrüsenerkrankung erfolgt durch die Kombination aus drei Säulen:

  1. Laborwerte: TSH als Basiswert, ergänzt durch fT3, fT4 und, bei Autoimmunverdacht, Antikörper (TPO-AK, Tg-AK, TRAK). → Laborwerte verstehen
  2. Bildgebung: Ultraschall zeigt Größe und Struktur. Szintigraphie klärt die Funktion einzelner Bereiche.
  3. Klinisches Bild: Die Beschwerden des Patienten im Kontext der Befunde. → Symptome richtig einordnen

Wichtig: Die Zusammenführung dieser drei Säulen gehört in die Hand eines erfahrenen Arztes. Die Informationen auf dieser Seite können Ihnen helfen, Befunde besser einzuordnen, zu verstehen und gezielte Fragen im Arztgespräch zu stellen. Sie ersetzen keine individuelle Diagnose.

Die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen im Vergleich

Erkrankung

Typ

TSH typisch

Schlüsselmarker

Häufige Beschwerden

Hashimoto

Autoimmun

Normal bis erhöht

TPO-AK ↑, ggf. Tg-AK ↑

Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälte

Basedow

Autoimmun

Niedrig

TRAK ↑, fT3/fT4 ↑

Herzrasen, Unruhe, Gewichtsverlust

Unterfunktion

Funktionsstörung

Erhöht

fT3/fT4 ↓

Müdigkeit, Kälte, Antriebslosigkeit

Überfunktion

Funktionsstörung

Niedrig

fT3/fT4 ↑

Herzrasen, Schwitzen, Schlafstörung

Struma

Strukturell

Variabel

Ultraschall: Vergrößerung

Druckgefühl, Schluckbeschwerden

Knoten

Strukturell

Meist normal

Ultraschall + ggf. Szintigraphie

Oft beschwerdefrei (Zufallsbefund)

Hinweis: Diese Tabelle dient der Orientierung. Einzelne Erkrankungen können sich überschneiden (z. B. Hashimoto + Knoten) und individuell anders verlaufen. Die diagnostische Einordnung gehört in ärztliche Hände.

Vertiefen: Schilddrüse im Gleichgewicht

Wenn Sie die Zusammenhänge zwischen Erkrankungen, Laborwerten und Therapieansätzen besser verstehen möchten, bietet der Ratgeber Schilddrüse im Gleichgewicht von Dr. Braun eine strukturierte Einführung. Geschrieben für Betroffene, nicht für das Fachpublikum.

Häufige Fragen zu Schilddrüsenerkrankungen

Was ist der Unterschied zwischen Hashimoto und einer Schilddrüsenunterfunktion?

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung. Bedeutet, das Immunsystem greift die Schilddrüse an. Eine Unterfunktion beschreibt den Funktionszustand: zu wenig Hormone. Hashimoto führt häufig zu einer Unterfunktion, aber eine Unterfunktion kann auch durch Jodmangel, Medikamente oder Operationen entstehen. Die Unterscheidung klärt der Arzt über Antikörper-Bestimmung und Ultraschall.

Sind Schilddrüsenknoten gefährlich?

In der großen Mehrheit der Fälle sind Schilddrüsenknoten gutartig. Entscheidend ist die diagnostische Einordnung: Ultraschall, Szintigraphie und, bei auffälligen Befunden, gegebenenfalls eine Feinnadelpunktion. Diese Untersuchungen können klären, ob ein Knoten harmlos ist oder weiter abgeklärt werden sollte. Regelmäßige Kontrollen sind bei bekannten Knoten empfehlenswert.

Kann man mehrere Schilddrüsenerkrankungen gleichzeitig haben?

Ja. Es ist möglich, dass beispielsweise eine Hashimoto-Thyreoiditis zusammen mit Schilddrüsenknoten auftritt. Auch eine Struma kann neben einer Funktionsstörung bestehen. Deshalb ist eine umfassende Diagnostik, Laborwerte, Ultraschall, ggf. Szintigraphie wichtig, um das Gesamtbild zu erfassen.

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion behandelt?

Die Standardbehandlung besteht in der Regel in der Gabe von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin). Die Dosierung wird individuell durch den behandelnden Arzt anhand der Laborwerte und des klinischen Bildes angepasst. Bei einigen Patienten werden auch T3-haltige Präparate oder kombinierte Ansätze eingesetzt. Die Therapieentscheidung ist immer individuell und gehört in ärztliche Hände.

Ab welchem TSH-Wert liegt eine Unterfunktion vor?

Ein TSH über dem oberen Referenzbereich (laborabhängig, häufig ab ca. 4,0 mU/l) kann auf eine Unterfunktion hinweisen. Bei einer sogenannten latenten Unterfunktion ist der TSH leicht erhöht, während fT3 und fT4 noch im Normbereich liegen. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt vom klinischen Gesamtbild ab und wird vom Arzt entschieden.

Mehr dazu: TSH-Wert: Bedeutung und Interpretation

Zuletzt medizinisch geprüft und aktualisiert: April 2026

Medizinische Prüfung: Dr. med. Wolfgang Braun, Facharzt für Nuklearmedizin

Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt.

Zurück zum Blog