Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Ursachen, Symptome und Diagnostik

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse dauerhaft zu wenig Hormone. Der Stoffwechsel verlangsamt sich. Typische Beschwerden können Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme und Antriebslosigkeit sein. Die häufigste Ursache in Deutschland ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Die Diagnose erfolgt über Laborwerte, vor allem TSH, fT3 und fT4. Die Behandlung erfolgt individuell und wird vom Arzt festgelegt.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ unterhalb des Kehlkopfs. Sie produziert die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die den Energiestoffwechsel, die Körpertemperatur, die Herzfrequenz und viele weitere Körperprozesse regulieren. Bei einer Unterfunktion stellt die Schilddrüse nicht genügend dieser Hormone bereit. Der Körper reagiert darauf, indem die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) verstärkt das Steuerhormon TSH ausschüttet, ein Signal an die Schilddrüse, mehr zu produzieren. Wenn die Schilddrüse diesem Signal nicht mehr ausreichend folgen kann, steigt der TSH-Wert im Blut an. Das ist der wichtigste erste Laborhinweis auf eine Unterfunktion. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann in jedem Lebensalter auftreten. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung entwickelt sich in vielen Fällen schleichend, über Monate bis Jahre, und wird deshalb nicht selten spät erkannt.

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion

Die Beschwerden einer Unterfunktion entstehen durch den verlangsamten Stoffwechsel. Sie sind oft unspezifisch und werden häufig anderen Ursachen zugeschrieben, etwa Stress, Alter oder den Wechseljahren. Genau das macht die Erkrankung tückisch: Viele Betroffene leben lange mit Symptomen, ohne dass die Schilddrüse als Ursache in Betracht gezogen wird.

Häufig berichtete Beschwerden

Symptom

Erklärung

Chronische Müdigkeit

Erschöpfung, die auch durch Schlaf nicht verschwindet. Eines der häufigsten Symptome.

Kälteempfindlichkeit

Frieren, obwohl andere die Temperatur als angenehm empfinden.

Gewichtszunahme

Zunahme trotz unveränderter Ernährung. Oft 3–5 kg, selten mehr.

Antriebslosigkeit

Schwierigkeiten, sich zu motivieren. Alltags­aufgaben fallen schwerer.

Trockene Haut und Haare

Haut wirkt blass und rau, Haare werden spröde. Haarausfall möglich.

Depressive Verstimmung

Niedergeschlagenheit, emotionale Leere, Rückzugsverhalten.

Konzentrationsprobleme

Gedächtnisschwäche, verlangsamtes Denken, „Brain Fog“.

Verstopfung

Verlangsamte Darmfunktion durch reduzierten Stoffwechsel.

Muskel- und Gelenkschmerzen

Diffuse Schmerzen, Steifigkeit, erhöhte Krampfneigung.

Zyklusstörungen

Bei Frauen: verstärkte oder verlängerte Menstruation.

Wichtig: Jedes dieser Symptome kann auch andere Ursachen haben. Ob es tatsächlich an der Schilddrüse liegt, erfordert eine ärztliche Diagnostik. Wenn Sie sich in mehreren dieser Punkte wiedererkennen, kann das ein Anlass sein, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.

Mehr dazu: Schilddrüse und Müdigkeit

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion

Hashimoto-Thyreoiditis (häufigste Ursache)

In Deutschland ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto die mit Abstand häufigste Ursache für eine Unterfunktion. Das Immunsystem greift dabei das Schilddrüsengewebe an und zerstört es über Monate bis Jahre. Am Anfang kann die Schilddrüse den Verlust noch kompensieren, der TSH ist normal, Beschwerden können aber bereits bestehen. Im weiteren Verlauf sinkt die Hormonproduktion, der TSH steigt. Mehr dazu: Hashimoto-Thyreoiditis – Symptome, Laborwerte und Einordnung

Weitere Ursachen

Jodmangel: Jod ist ein Baustein der Schilddrüsenhormone. Bei lang anhaltendem Mangel kann die Hormonproduktion sinken. In Deutschland ist ein ausgeprägter Jodmangel durch die Verwendung von Jodsalz seltener geworden, kommt aber vor.

Zustand nach Operation oder Radiojodtherapie: Nach einer teilweisen oder vollständigen Entfernung der Schilddrüse oder nach einer Radiojodtherapie kann eine dauerhafte Unterfunktion entstehen.

Medikamente: Bestimmte Medikamente (z. B. Amiodaron, Lithium) können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen.

Angeborene Hypothyreose: In seltenen Fällen ist die Unterfunktion angeboren. Das Neugeborenenscreening in Deutschland erfasst diese Erkrankung routinemäßig.

Diagnostik: Welche Laborwerte sind relevant?

Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt primär über Laborwerte. Die wichtigsten Parameter im Überblick:

Wert

Funktion

Bei Unterfunktion

Weiterführend

TSH

Steuerhormon der Hirnanhangdrüse

Erhöht (über Referenzbereich)

→ TSH-Wert verstehen

fT4

Freies Thyroxin: Vorstufe des aktiven Hormons

Niedrig oder am unteren Rand

→ fT3 und fT4 erklärt

fT3

Freies Trijodthyronin: biologisch aktives Hormon

Niedrig oder am unteren Rand

→ fT3 und fT4 erklärt

TPO-AK

Antikörper: Marker für Hashimoto

Häufig erhöht bei autoimmuner Ursache

→ Antikörper verstehen

Mehr dazu: Schilddrüsenwerte verstehen

Manifeste vs. latente Unterfunktion

Manifeste Unterfunktion: TSH erhöht UND fT4 (und/oder fT3) niedrig. In der Regel mit deutlichen Beschwerden verbunden.

Latente (subklinische) Unterfunktion: TSH leicht erhöht, aber fT3 und fT4 noch im Referenzbereich. Beschwerden können trotzdem vorhanden sein. Ob in dieser Situation eine Behandlung sinnvoll ist, hängt vom klinischen Gesamtbild ab und wird vom Arzt individuell beurteilt.

Eine kostenlose Übersicht über alle relevanten Schilddrüsenwerte finden Sie in der Laborwerte-Checkliste.

Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion

Die Standardbehandlung einer manifesten Unterfunktion besteht in der Regel in der Gabe von Schilddrüsenhormonen. Das am häufigsten eingesetzte Präparat ist L-Thyroxin (Levothyroxin), ein synthetisches Schilddrüsenhormon, das die fehlende körpereigene Produktion ergänzt.

Die Dosierung wird individuell vom behandelnden Arzt festgelegt und orientiert sich an den Laborwerten, dem Körpergewicht und dem klinischen Bild. Sie wird in der Regel schrittweise angepasst, bis ein stabiler Zustand erreicht ist. Regelmäßige Laborkontrollen sind dabei notwendig.

Was Patienten häufig wissen möchten

Einnahme: L-Thyroxin wird üblicherweise morgens nüchtern eingenommen, mit zeitlichem Abstand zu anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln. Ihr Arzt oder Apotheker informiert Sie über die korrekte Einnahme.

Andere Präparate: Neben reinem L-Thyroxin (T4) werden in bestimmten Fällen auch T3-haltige Präparate oder Kombinations­präparate eingesetzt. Ob ein solcher Ansatz individuell sinnvoll ist, entscheidet der behandelnde Arzt.

Dauer: Bei einer dauerhaften Unterfunktion, etwa durch Hashimoto, ist die Einnahme von Schilddrüsenhormonen in der Regel langfristig erforderlich. Bei vorübergehenden Ursachen kann sich die Funktion erholen. Auch hier entscheidet der Arzt über das weitere Vorgehen.

Orientierung für Betroffene: 3 konkrete Schritte

Schritt 1: Laborwerte kennen. Bitten Sie Ihren Arzt um eine Kopie Ihrer aktuellen Schilddrüsenwerte. Notieren Sie TSH, fT3 und fT4. Die Laborwerte-Checkliste hilft Ihnen, die Ergebnisse einzuordnen.

Schritt 2: Symptome dokumentieren. Führen Sie für 2–4 Wochen ein kurzes Symptomtagebuch: Energie, Stimmung, Schlaf, Gewicht. Das gibt Ihrem Arzt wertvolle Informationen über den Verlauf.

Schritt 3: Gezielte Fragen stellen. Beim nächsten Arzttermin können Sie fragen: „Wurden neben TSH auch fT3 und fT4 bestimmt?“ „Liegen Antikörper vor?“ „Wie ist mein Vitamin-D- und Selenstatus?“ Diese Fragen helfen, ein vollständigeres Bild zu bekommen.

Hinweis: Diese Schritte ersetzen keinen Arztbesuch. Sie helfen Ihnen, Ihr Arztgespräch vorzubereiten und informierte Fragen zu stellen.

Zusammenhänge, die häufig übersehen werden

Unterfunktion und Wechseljahre: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, diese Beschwerden treten sowohl bei einer Unterfunktion als auch in den Wechseljahren auf. Eine Schilddrüsenstörung wird in dieser Lebensphase besonders häufig übersehen.

Unterfunktion und Kinderwunsch: Bereits eine latente Unterfunktion kann den Hormonhaushalt beeinflussen. Bei Kinderwunsch gelten engere Zielbereiche für den TSH-Wert.

Unterfunktion und Mikronährstoffe: Bei Betroffenen werden in Studien häufiger Defizite bei Vitamin D, Selen und Eisen beobachtet. Ob und wie eine Ergänzung sinnvoll ist, sollte auf Grund der Laborwerte und in Absprache mit dem Arzt entschieden werden.

Häufige Fragen zur Schilddrüsenunterfunktion

Welche Symptome hat eine Schilddrüsenunterfunktion?

Zu den häufig berichteten Beschwerden gehören chronische Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Antriebslosigkeit, trockene Haut, Haarausfall, depressive Verstimmung und Konzentrationsprobleme. Da diese Symptome unspezifisch sind, kann ein Blutbild mit TSH, fT3 und fT4 wichtige Hinweise liefern.

Ist eine Schilddrüsenunterfunktion heilbar?

Das hängt von der Ursache ab. Bei Hashimoto-Thyreoiditis besteht die Unterfunktion in der Regel dauerhaft, und die Einnahme von Schilddrüsenhormonen ist langfristig erforderlich. Bei vorübergehenden Ursachen, etwa einer Schilddrüsenentzündung nach der Geburt, kann sich die Funktion erholen. Die Beurteilung gehört in ärztliche Hände.

Was ist der Unterschied zwischen latenter und manifester Unterfunktion?

Bei einer latenten Unterfunktion ist der TSH leicht erhöht, aber fT3 und fT4 liegen noch im Referenzbereich. Beschwerden können trotzdem bestehen. Bei einer manifesten Unterfunktion sind auch die freien Hormone erniedrigt. Ob eine latente Unterfunktion behandelt wird, entscheidet der Arzt anhand des klinischen Gesamtbildes.

Kann man trotz normaler Blutwerte eine Unterfunktion haben?

Wenn nur der TSH bestimmt wurde und dieser im Referenzbereich liegt, ist eine Störung auf Ebene der freien Hormone nicht ausgeschlossen. Auch ein TSH im oberen Normbereich (z. B. 3,5–4,0 mU/l) kann bei manchen Menschen bereits mit Beschwerden einhergehen. Ein erweitertes Profil mit fT3, fT4 und ggf. Antikörpern gibt ein vollständigeres Bild.

Nimmt man durch eine Schilddrüsenunterfunktion zu?

Eine Unterfunktion kann zu einer Gewichtszunahme beitragen, da der Stoffwechsel verlangsamt ist. Die Zunahme bewegt sich in der Regel im Bereich von 3–5 kg und ist oft teilweise auf Wassereinlagerungen zurückzuführen. Starke Gewichtszunahmen haben meist zusätzliche Ursachen.

Wie lange dauert es, bis die Behandlung wirkt?

Wann sich Laborwerte und Beschwerden verändern, ist individuell unterschiedlich. Nach Beginn einer medikamentösen Einstellung berichten viele Patienten nach 4–6 Wochen über erste Veränderungen. Der Verlauf und die Therapieanpassung werden ärztlich kontrolliert.

Vertiefen: Schilddrüse im Gleichgewicht

Wenn Sie die Zusammenhänge zwischen Unterfunktion, Laborwerten und Therapie besser verstehen möchten: Der Ratgeber Schilddrüse im Gleichgewicht von Dr. Braun widmet diesem Thema ein eigenes Kapitel, geschrieben für Betroffene, nicht für das Fachpublikum.

Zuletzt medizinisch geprüft und aktualisiert: April 2026

Medizinische Prüfung: Dr. med. Wolfgang Braun, Facharzt für Nuklearmedizin

Quellen: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), European Thyroid Association (ETA)

Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt.

Zurück zum Blog