Struma: Vergrößerung der Schilddrüse verstehen und einordne

Wenn Sie einen Druck am Hals spüren oder Ihre Schilddrüse als verändert wahrnehmen, ist das ein ernstzunehmendes Signal und meist gut einzuordnen.

Eine Struma ist eine sichtbare oder tastbare Vergrößerung der Schilddrüse. Sie kann mit normaler, verminderter oder gesteigerter Hormonproduktion einhergehen. Häufigste Ursachen in Deutschland: Jodmangel, Hashimoto-Thyreoiditis und Schilddrüsenknoten. Die Diagnostik stützt sich auf Tastbefund, Ultraschall und Laborwerte. Verfasst von Dr. med. Wolfgang Braun, Facharzt für Nuklearmedizin.

Was ist eine Struma?

Der Begriff Struma (auch: Kropf) beschreibt eine vergrößerte Schilddrüse, unabhängig von der Ursache. Eine Struma ist also keine eigenständige Krankheit, sondern ein Befund.

Die Schilddrüse liegt am vorderen Hals, unterhalb des Kehlkopfes, und hat normalerweise die Form eines Schmetterlings. Bei einer Struma überschreitet ihr Volumen definierte Referenzwerte: bei Frauen über 18 Milliliter, bei Männern über 25 Milliliter (gemessen per Ultraschall).

Eine Struma kann gleichmäßig wachsen (diffuse Struma) oder Knoten enthalten (Struma nodosa). Sie wird zusätzlich nach Hormonlage unterschieden:

Form

Hormonlage

Einordnung

Euthyreote Struma

normale Werte

häufigste Form

Hypothyreote Struma

Unterfunktion

z. B. bei fortgeschrittenem Hashimoto

Hyperthyreote Struma

Überfunktion

z. B. bei Morbus Basedow oder autonomem Knoten

ICD-10-Codes: E04 (sonstige nichttoxische Struma), E01 (jodmangelbedingt), E05 (mit Überfunktion).

Symptome: Wie macht sich eine Struma bemerkbar?

Eine Struma entwickelt sich oft über Jahre. Viele Betroffene bemerken sie erst spät. Die Beschwerden hängen davon ab, wie groß die Schilddrüse geworden ist und ob sie auf umliegende Strukturen drückt.

Symptom

Mechanismus

Wann zum Arzt?

Sichtbare Halsverdickung

Volumenzunahme

bei jedem Verdacht

Druck- oder Engegefühl

mechanische Verdrängung

bei Persistenz

Schluckbeschwerden

Druck auf Speiseröhre

zeitnah

Heiserkeit

Reizung des Stimmbandnervs

zeitnah

Atemnot, besonders im Liegen

Druck auf Luftröhre

rasch ärztlich abklären

Begleitbeschwerden (Müdigkeit, Gewichtsschwankungen, Herzklopfen)

Hinweis auf Funktionsstörung

bei Persistenz

Die Bandbreite reicht von völlig beschwerdefrei bis deutlich belastend. Eine ärztliche Abklärung gibt Klarheit, was vorliegt und ob Handlungsbedarf besteht.

Ursachen: Warum wächst die Schilddrüse?

Die Schilddrüse arbeitet als Taktgeber im hormonellen Regelkreis. Wenn dieser Regelkreis aus dem Gleichgewicht gerät, etwa durch zu wenig Jod oder durch entzündliche Prozesse, reagiert das Organ häufig mit Wachstum.

Die häufigsten Ursachen in Deutschland:

Jodmangel. Deutschland ist nach wie vor ein Jodmangelgebiet, auch wenn sich die Versorgung gegenüber früheren Jahrzehnten verbessert hat. Bei zu geringer Jodzufuhr versucht die Schilddrüse, das vorhandene Jod effizienter aufzunehmen und vergrößert sich dabei.

Hashimoto-Thyreoiditis. Diese Autoimmunerkrankung kann in frühen Phasen mit einer Struma einhergehen, später eher mit einer Verkleinerung des Organs. Mehr dazu unter Hashimoto-Thyreoiditis verstehen.

Schilddrüsenknoten. Einzelne oder mehrere Knoten können das Volumen deutlich erhöhen. Zur Differenzierung werden Ultraschall und Szintigraphie eingesetzt, siehe Schilddrüsenknoten: heiß, kalt, harmlos?

Morbus Basedow. Eine Autoimmunerkrankung, die zur Überfunktion führt und häufig eine diffuse Struma verursacht.

Seltene Ursachen. Bestimmte Medikamente (etwa Lithium oder Amiodaron), Hormonschwankungen in Schwangerschaft und Wechseljahren sowie, selten, bösartige Veränderungen.

Diagnostik: Welche Untersuchungen Klarheit bringen

Eine Struma allein sagt noch nichts über Ursache und Hormonlage aus. Erst die Kombination aus Tastbefund, Bildgebung und Labor liefert einen verlässlichen Kompass.

Untersuchung

Was sie misst

Was sie aussagt

Tastbefund

Größe, Konsistenz, Knoten

erste Orientierung

Ultraschall (Sonographie)

Volumen, Struktur, Knoten

Goldstandard für Größenbestimmung

TSH (Steuerhormon der Hypophyse)

Aktivität des Regelkreises

erster Orientierungswert

fT3 / fT4 (freie Schilddrüsenhormone)

aktuelle Hormonproduktion

bei TSH-Auffälligkeiten

Anti-TPO, Anti-Tg, TRAK (Schilddrüsen-Antikörper)

Autoimmunaktivität

bei Verdacht auf Hashimoto/Basedow

Szintigraphie

Funktionsaktivität von Knoten

bei Knoten ab definierter Größe

Feinnadelpunktion

Zellbefund

bei abklärungsbedürftigen Knoten

Der Ultraschall ist der Standard zur Volumenbestimmung. Die Szintigraphie ergänzt ihn, wenn Knoten vorliegen. Sie unterscheidet aktive („heiße") von inaktiven („kalten") Arealen.

Behandlung: Welche Optionen gibt es?

Wichtig: Welche Therapie sinnvoll ist, hängt von Ursache, Größe, Hormonlage und individueller Situation ab. Die Entscheidung trifft Ihr behandelnder Arzt, nicht das Internet.

Die Behandlung einer Struma orientiert sich an drei Fragen: Welche Ursache liegt vor? Verursacht die Vergrößerung Beschwerden? Liegt eine Funktionsstörung vor?

Beobachten und kontrollieren. Bei kleiner, beschwerdefreier euthyreoter Struma kann eine regelmäßige Verlaufskontrolle ausreichen, typischerweise per Ultraschall.

Medikamentöse Behandlung. Bei Jodmangel-bedingter Struma kommt häufig eine gezielte Jodzufuhr zum Einsatz, teils kombiniert mit L-Thyroxin (Schilddrüsenhormon). Bei Funktionsstörungen werden je nach Lage Schilddrüsenhormone oder Thyreostatika eingesetzt. Auswahl und Dosierung legt der behandelnde Arzt fest.

Radiojodtherapie. Eine nuklearmedizinische Behandlung, die gezielt überaktives Schilddrüsengewebe verkleinert. Sie wird unter anderem bei autonomen Knoten oder Morbus Basedow eingesetzt und stationär in spezialisierten Zentren durchgeführt.

Operation (Thyreoidektomie). Eine Teilentfernung oder vollständige Entfernung wird erwogen bei sehr großen Struma mit mechanischen Beschwerden, bei abklärungsbedürftigen Knoten oder bei bestimmten Funktionsstörungen.

Welche Option im Einzelfall sinnvoll ist, gehört in das Gespräch zwischen Patient und Arzt. Idealerweise mit Endokrinologen oder Nuklearmedizinern.

Orientierung für Betroffene: Mini-Plan in 3 Schritten

Schritt 1: Befund einholen. Lassen Sie Ihre Schilddrüse per Ultraschall vermessen und die Hormonwerte (TSH als Erstes) bestimmen. Beides gehört in eine Hand, Hausarzt, Endokrinologe oder Nuklearmediziner.

Schritt 2: Symptome dokumentieren. Notieren Sie über zwei bis vier Wochen: Druckgefühl, Schluck- und Atembeschwerden, Müdigkeit, Gewichts- und Stimmungsveränderungen. Diese Aufzeichnung ist im Arztgespräch wertvoller als jede Erinnerung.

Schritt 3: Gezielte Fragen stellen. Gehen Sie mit konkreten Fragen ins Gespräch (siehe nächster Abschnitt). So wird aus Unsicherheit ein gemeinsamer Plan.

Fragen fürs Arztgespräch

  1. Wie groß ist meine Schilddrüse aktuell und wie verhält sich das Volumen über die Zeit?
  2. Liegen Knoten vor, und wenn ja: wie werden sie eingeordnet?
  3. Welche Hormonlage liegt bei mir vor und passt sie zu meinen Beschwerden?
  4. Welche Therapieoptionen wären in meinem Fall sinnvoll und welche kommen für mich nicht infrage?
  5. Wann ist die nächste Kontrolle sinnvoll, und was wird dann untersucht?

Zusammenhänge, die häufig übersehen werden

Wechseljahre und Schilddrüse. Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Schlafstörungen werden in der Lebensmitte oft pauschal den Wechseljahren zugeschrieben. Eine Struma oder Funktionsstörung kann jedoch parallel bestehen und wird dann übersehen. Die Differenzierung gelingt mit einer Labor- und Ultraschall-Untersuchung.

Jodversorgung im Alltag. Jod ist ein Baustein der Schilddrüsenhormone. Eine ausgewogene Versorgung entlastet den Regelkreis.

Knoten als „Zufallsbefund". Viele Strumen werden im Rahmen von Ultraschalluntersuchungen aus anderen Gründen entdeckt. Ein Befund ist kein Notfall, sondern ein Anlass zur sauberen Einordnung.

Häufige Fragen zu Struma

Ist eine Struma immer mit Beschwerden verbunden?

Nein. Viele Strumen sind klein und beschwerdefrei und werden zufällig entdeckt. Erst bei deutlicher Größenzunahme entstehen typischerweise Druck-, Schluck- oder Atembeschwerden.

Bedeutet eine Struma automatisch eine Schilddrüsenerkrankung?

Nein. Die Hormonproduktion kann normal sein (euthyreote Struma). Eine Struma ist ein Befund, keine Diagnose. Erst Ultraschall und Laborwerte zeigen, was dahinter steht.

Ist eine Struma gefährlich?

In der Mehrzahl der Fälle nicht. Wichtig ist die ärztliche Abklärung: Größe, Knotenstruktur und Hormonlage werden eingeordnet. Bösartige Befunde sind selten, aber abklärungsbedürftig.

Verschwindet eine Struma von allein?

Eine bestehende Vergrößerung bildet sich meist nicht spontan zurück. Bei rechtzeitiger Behandlung der Ursache, etwa Ausgleich eines Jodmangels, kann das Wachstum gestoppt oder eine Verkleinerung erreicht werden.

Welcher Arzt ist für eine Struma zuständig?

Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Für Ultraschall, Szintigraphie und differenzierte Diagnostik werden Endokrinologen oder Nuklearmediziner hinzugezogen.

Sollte ich bei einer Struma zusätzlich Jod einnehmen?

Diese Frage gehört in das ärztliche Gespräch. Eine Jodzufuhr kann sinnvoll sein, ist aber nicht in jeder Konstellation sinnvoll, bei manchen Formen kann sie sogar ungünstig sein. Ohne vorherige Diagnostik ist eine Selbstmedikation nicht zu empfehlen.

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Zuletzt medizinisch geprüft und aktualisiert: April 2026

Medizinische Prüfung: Dr. med. Wolfgang Braun, Facharzt für Nuklearmedizin

Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt.

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